Samstag, 22. November 2008

Rezession

Ja, sie ist mittlerweile auch in Kanada angekommen. Weniger wirtschaftlich, als dafür bei mir ganz persöhnlich. Es läuft nämlich grad einfach mal nicht so, wie ich mir das alles vorgestellt habe - irgendwann musste dieser Höhenflug ja mal enden. Angefangen hats bei der Erkältung, die mich erstmal für ein paar Tage ordentlich aus der Bahn geworfen hat. Somit viel dann auch erstmal die Besichtung Ottawas sehr bescheiden aus. Meiner Meinung nach gibt es dort aber allgemein nicht so viel zu sehen. Ich mein, das 2. größte Land der Welt hat ne Hauptstadt die so groß ist wie Bochum, nen Parlament das aussieht wie in London mit nem Turm der aus Venedig geklaut ist?! Dazu ne ganze Menge Museen die sich gegenseitig in ihrer Langweiligkeit zu überbieten versuchen. Gott sei Dank waren die aber auch alle aus verschiedensten Gründen geschlossen. Also die Jungs verstehen wirklich was von Tourismus!

Mehrheitlich aus bereits genannten gesundheitlichen Gründen wurde der Aufenthalt im Jail-Hostel Ottawa dann wirklich zu einer Art Zwangsherberge. Schlafen, essen, Internet war kaputt, zur Apotheke, schlafen, essen, und so weiter. In Kanada hats dann jetzt auch angefangen zu schneien, was einer schnellen Wiederherrstellung meines physischen Wohlergehens nicht grade förderlich war. Ok, Ottawa war schnell abgehakt, weiter gings nach Toronto, der größten Stadt dieses Landes.
In etwa vergleichbar mit Chicago, nur mit dem Unterschied das Toronto scheiße ist. Toronto ist kalt, dies gleich in mehrfacher hinsicht: Erstmal bewegt sich die Temperatur um die -11°C, es weht ein eiskalter Wind und manchmal schneint es, oder nicht. Die Menschen hier, sind wie Menschen in großen Städten auf der Welt meistens so sind. Nicht nur, dass sich die großen Städte alle sehr ähnlich sind, die Menschen sind es auch. Und dadurch das es hier noch kälter ist, bewegen sich alle noch schneller aneinander vorbei und verschwinden in irgendwelchen Wolkenkratzen, U-Bahn Stationen oder McDonalds Filialen. Alle draussen gelegenen Sehenswürdigkeiten haben, mit Ausnahme einer Eislaufbahn, ein großes Schild „Closed for the Season“ aufgebaut und selbst die im Sommer scheinbar sehr beliebte kleine Insel vor der Stadt ist wie ausgestorben. Trotz allem ist die Stadt immernoch arg teuer. 200$ pro Woche im Hostel sind glaube ich Rekord, einmal auf den 550m hohen CN Tower fahren ist mit 25$ auch ein vielfaches teurer als vergleichbare Türme in Chicago oder Seattle kosten.

Gestern war ich dann mal mit 2 anderen Reisenden hier ein Bier trinken: Einem Brasilianer der aussieht wie Anthony Kiddies und einem Japaner, der aussieht wie ein Japaner. Auch die beiden waren ein bisschen enttäuscht von Toronto. Als Highlight machen wir morgen einen Daytrip zu den ein paar Stunden entfernt gelegenen Niagara Fällen.

Der Plan war also ursprünglich einen Job zu finden! Bisher nie ein Problem gewesen in Kanada. Der Westen boomt, der Rest wohl grade nicht so. Trotz massenhaft Bewerbungs-Emails und ausgehändigten Resumés - keine Antwort. Sehr ernüchternd! Andere haben mir von hier schon ähnliches berichtet, die haben teilweise 4 Wochen gesucht. Zeit den Plan zu ändern? Nicht schon wieder...!
Vorgesehen war ursprünglich bis Weihnachten hier zu arbeiten, dann über Sylvester nach New York zu fliegen und anschließend wieder zurück ins Ski Gebiet nach Banff. New York würde jetzt wohl finanziell ziemlich belastend, also hab ich heute erste Anfragen ans Ski Gebiet gemailt und werde wahrscheinlich bald dorthin zurück fliegen - oder auch nicht.

Fortune faded?

Es stellt sich grade eine gewisse Planlosigkeit ein. Seit mehreren Monaten bin ich jetzt ununterbrochen unterwegs, habe zichtausend Kilometer abgerissen, bin grade in letzter Zeit nirgendwo länger als ein paar Tage geblieben und habe die Betten gewechselt wie andere ihre Unterwäsche. Immer wieder nach neuen Unterkunft- und Transportmöglichkeiten gesucht, in Zügen und Flugzeugen geschlafen, dabei selten richtig gegessen, geschweige denn selber gekocht (wahrscheinlich auch einer der Gründe warum ich jetzt krank geworden bin). Das alles hat ne Menge Kraft gekostet. Vielleicht ein bisschen zu ziellos bin ich von einer Stadt in die andere gefahren, ohne dabei wirklich irgendwo anzukommen.
Als mittelfristiges Ziel war immer Toronto angepeilt, einfach mal wieder zur Ruhe kommen, vielleicht für nen Monat oder 2 mal wieder ein eigenes Zimmer zu haben und wieder einer Arbeit nachgehen (was dann allerdings mit Ausruhen wieder nicht viel zu tun gehabt hätte). Jetzt hat sich dieser Zielhafen als ziemlich unsympathisch herausgestellt. Das heißt es wird wohl also ein paar Wochen noch so weiter gehen wie bisher, nur das ich jetzt eigentlich nicht mehr wirklich weiß wo es hingehen soll.
Vielleicht beginnt jetzt die wahre Herrausforderung dieses neuen Lebens, nachdem bisher immer alles verhältnismäßig einfach war. Einfach nochmal genug Energie aufbringen um weiter zu planen, neue Möglichkeiten suchen, die Dinge positiv sehen. In den letzten Monaten bin ich an mir selbst gewachsen, habe das Gefühl richtig im Leben angekommen, endlich wirklich aufgewacht zu sein. Vielleicht zeigt sich jetzt in wie weit sich das Gefühl bewahrheiten wird. Meine Erkältung ist zum Glück wieder auf dem Rückzug und mir geht’s schon wieder besser, es kann also weiter gehen ... :-)

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Na, es wird aber Zeit, dass hier noch der ein oder andere ein paar mitfühlende Worte schreibt!

Ich glaub, zum "Wachsen" muss man auch mal eine Krise durchgestanden haben, vielleicht kannst du das auch aus diesem Blickwinkel sehen. Wünsch dir wieder bessere Zeiten!
Herzlichen Gruß von mir!

Anonym hat gesagt…

Ich schick dir Kraft da rüber... hab da ja eiiiniges über ;)

Anonym hat gesagt…

Es hat mich immer sehr gewundert und dfür habe ich dich sehr bewundert, dass bei dir alles so super läuft, ohne große Probleme.

Das muss jetzt auch mal sein, dieses Tief.
Dabei wirst du sehen können, inwieweit du wirklich gewachsen bist und dich selber gefunden hast.

Das ist doch das große Ziel eines solchen Jahres.

Viel Erfolg bei der folgenden Planung und fühl dich gedrückt - Manu