Mittwoch, 10. Oktober 2012

Endless Summer

Kaum zu glauben aber wahr: Hier ist immer noch Sommer. Zumindest fast! Das Wetter ist jetzt schon seit Monaten so "gut", dass in den Medien schon fast die Rede von einer Dürre ist. Fakt ist, dass in einigen Regionen (sogar hier an der Sunshine Coast / "Raincoast") so lange kein Regen mehr gefallen ist, das einige Communitys schon unter Water Restriction Level 4 sind, was Wasserverbrauch limitiert und z.B. das wässern im Garten generell verbietet. Anders als bei uns in Deutschland, wo das Trinkwasser meistens als Grundwasser gefördert wird, kommt es hier aus Flüssen und Seen, die zum Teil schon kaum noch Wasser führen. In Earls Cove bekommen wir unser Wasser aus dem Ruby Lake, der ist noch ziemlich gut voll! Ansonsten heißt das aber schon seit Wochen, ja fast seit Monaten nichts als Sonne. Als Osnabrücker kennt man sowas gar nicht, dort regnet es ja jeden 2. Tag. Aber ich muss sagen, ich vermisse das kühle Nass nicht im geringsten! Tagsüber sind es durchschnittlich noch angenehme 20°C, was in Verbindung mit Sonne, viel blauem Himmel und kaum Wind jede Aktivität draußen umso angenehmer macht. Ich bin immer noch viel im Garten hier und arbeite mal hier mal da, es ist eigentlich mehr Freizeit als richtige Arbeit. Und wenn man keine Lust mehr hat, macht man halt ein anderes Mal weiter. Der Regen hat mir bis jetzt noch keinen Strich durch die Rechnung gemacht. Dieser Sommer wird mir wohl als tatsächlich richtiger Sommer in Erinnerung bleiben.
So, ich hoffe ich habe ein paar Menschen jetzt so richtig schön neidisch gemacht :-)
Das Einzige woran man merkt das es langsam herbstlicher wird sind die Temperaturen. Nachts friert es so langsam schon mal, was den wenigen Laubbäumen hier langsam die berühmte gelb-orangene Färbung gibt. Den richtigen Indian Summer gibt's hier eigentlich nicht, da der meiste Wald ja aus Nadelbäumen besteht. Da in anderen Teilen Kanadas aber schon wieder Schnee fällt, bin ich hier wohl richtig gut bedient!


Ich habe mittlerweile festgestellt, dass mein Cottage höchstwahrscheinlich überhaupt gar nicht isoliert ist. Das war tagsüber und im "richtigen" Sommer nie ein Problem, aber mittlerweile wird es Nachts doch so kalt, dass es ohne irgendeine Art der Heizung unangenehm wird. Wie ich ja schon mal beschrieben habe, ist hier alles aus den sechziger und siebziger Jahren. Höchstwahrscheinlich auch die Heizung! Ein Öl-fressendes Ungetüm, das bei der Arbeit einem Automotor akustisch unglaublich nahe kommt. Schlafen kann man da schon fast vergessen, und da die warme Luft hier rein und da wieder raus geht auch nicht besonders effektiv. Seit gestern habe ich jetzt eine tolle Entdeckung gemacht: Eine Heizdecke!! Wahnsinn, dieses Ding ist so genial! Seit ich die habe brauche ich keine 5 Decken mehr und es ist richtig angenehm warm. Ich schwöre auf diese Dinger! Solltet ihr je irgendwo mal eine Gelegenheit bekommen so eine abzustauben - Schlagt zu! Es gibt nichts angenehmeres als in ein vorgewärmtes Bett zu steigen :-)

Bear watching

Eine Naturerfahrung der etwas anderen Art hatte ich vor ein paar Tagen: Während ich mich früh morgendlich auf dem Highway in Richtung Arbeit abstrample, stehen auf einmal zwei Schwarzbären vor mir. Das war schon ein bisschen aufregend, dieses mal nicht aus dem Auto oder Boot raus zu gucken. Wir konnten uns dann Gott sei dank darauf einigen, das wir alle unsere Wege einfach weitergehen, ohne da jetzt großartig rum zu stressen. Für gewöhnlich sollte man es vermeiden den plüschigen Genossen zu nahe zu kommen, wobei in den allermeisten Fällen eigentlich nichts passiert und die Bären das weite suchen. In dieser Region gibt es auch nur Schwarzbären und keine Grizzlys.


Selbstbeschäftigung

Auf der Arbeit habe ich mich mittlerweile mit der Tatsache abgefunden, dass man mich und meine arbeitstechnischen Fähigkeiten weit unterschätzt. Ich habe mir selbst ein Thema für meine Projektarbeit gesucht und schreibe jetzt über den Erfolg bzw. Misserfolg der Etablierung von Tyner Park als einen Biodiversitäts-Park. Meine Centre-Assistant Tätigkeiten stehen dabei jetzt etwas hinten an, was für mich aber nicht sonderlich tragisch ist. Wenn ich diesen Bericht fertig hab, werd ich noch einen weiteren auf Englisch über die Implementierung unserer neu veröffentlichten Biodiversitätsstrategie in einen Maßnahmenplan schreiben. Klingt schon nach was, oder?!

Die Tatsache, dass ich jetzt immer an meinem Bericht arbeiten kann und meine Arbeitszeiten ja sehr flexibel sind, macht die Arbeit sehr angenehm. Da ich nur einen oder 2 fixe Tage in der Woche habe, wo ich wirklich da sein muss und diese auch noch immer variieren, kann ich mir den Rest frei einteilen und kommen und gehen wenn ich möchte. Vorausgesetzt ich komme auf meine Stunden, aber das ist kein Problem. Vielleicht reichen meine Überstunden sogar noch für einen kleinen Trip nach Fort Langley.

Oceanfront Living

Da ich die letzten 7 Tage durchgearbeitet habe, fängt heute sozusagen mein Wochenende an, passend zu Thanksgiving! Das wird in Kanada immer richtig groß gefeiert und ist nach Weihnachten sogar das 2. größte Fest im Jahr. Traditionell gibt es dazu immer Truthahn aus dem Ofen. Janet und John haben mich eingeladen und so gab's dann ein kleines Festessen.

Heute habe ich nur noch einen halben Tag gearbeitet und ich denke, die nächsten zwei mache ich mal frei. Eventuell soll das Wetter zum Wochenende schlechter werden (was soll das denn heißen?), deswegen genieße ich nochmal den schönen Herbst. Heute war ich mit John nochmal mit den Kajaks auf dem Wasser und wir sind ziemlich weit gepaddelt. Es ist immer wieder ein beeindruckendes Erlebnis hier im Jervis Inlet Kajak zu fahren: Rechts und links gehen die Berge bis auf 2000m hoch, unter einem ist das Wasser 600m tief, kilometerweit sieht man nur Wald, Berge und Meer und meistens auch viel Wildlife. Seien es Weißkopfseeadler, Seerobben oder sogar scheue Fischotter. Heute hatten wir zeitweise einen Seelöwen neben uns.


Ich glaube Zeit meines Lebens war ich noch nie so lange so viel am, im und auf dem Meer wie in den letzten Monaten. Das bringt das Leben an der kanadischen Küste wohl einfach so mit sich. Es wird wahrscheinlich eines der Dinge sein, die ich in Deutschland am meisten vermissen werde: Aus dem Fenster zu gucken und den weiten Blick aufs Meer und die Berge zu haben. Keine Straßen, keine Autos, keine Menschen. Keinen Parkplatz suchen, keine Asis unterm Fenster, keine nervigen Vermieter. Es gibt keinen besseren Ort auf der Welt um den Alltag in Deutschland so weit hinter sich zu lassen und zu einer regelrechten Tiefenentspannung zurückzufinden. Das Leben hier oben ist um so viele Dinge erleichtert, vielleicht sogar puristisch. Das bringt einige Komforteinbußen mit sich, aber lässt auch viele Probleme und den Stress der modernen Zivilisation zurück. Vieles worüber ich mir am Anfang den Kopf zerbrochen habe, ist jetzt kaum noch der Rede wert: Kein Auto, na gut. Kein Handy, war eigentlich nie ein Problem. Weniger Internet, tut auch mal ganz gut. Weniger Uni, mehr dreckige Hände. Weniger Schreibtisch, mehr draußen. Weniger Menschen, dafür kennt man die wenigen umso besser. In Osnabrück weiß ich noch wer in der Wohnung über uns wohnt, in Earls Cove kenne ich die halbe Community. Das Leben hat hier eine andere Geschwindigkeit und einen anderen Maßstab bekommen.

Ohne bewerten zu wollen wo es jetzt besser ist, kann ich beiden Lebensstilen viel abgewinnen. Und ich glaube, es ist egal in welcher von beiden Welten ich grade lebe, wird es wohl immer auch ein Verlagen nach der jeweils anderen geben.

Montag, 1. Oktober 2012

Im Westen nichts neues

Nach einer guten Woche zurück in Earls Cove hab ich mich schon wieder ganz gut eingelebt hier. Der Herbst meint es gut mit mir, und wir haben immer noch viel Sonne und nur ganz selten mal ein bisschen Regen. Ich hoffe das bleibt noch eine Weile so! Bei meinen regelmäßigen Fahrradtouren zum Center und zurück wäre alles andere doch unangenehm. Allerdings ist es hier auch schon deutlich kälter geworden. Ich versuche noch ohne die alte Öl-Heizung hier auszukommen, werd aber wohl bald mal ausprobieren, ob sie es noch tut.


So wirklich was neues gibt es eigentlich auch gar nicht. Ich hab mich wieder dran gewöhnt alleine hier im Cottage zu sein und nicht mehr durch die Weltgeschichte zu reisen. Es ist immer noch sehr ruhig hier, die Fähre hat schon auf Winterfahrplan umgestellt und so ist auch auf dem Highway 101, auf dem ich jeden Tag zur Arbeit radle, nicht mehr so viel los. Auch hier an der Hütte passiert nicht mehr viel, um draußen zu sitzen ist es mittlerweile zu kühl und so spazieren grade nur noch ein paar Rehe vor der Terrasse rum. Vor einigen Tagen waren laut meinem Nachbar Dave sogar einige Orca Wale hier, direkt in der Bucht unterhalb meiner Hütte. Ich war leider arbeiten und hab sie nicht gesehen. Aber dafür gabs ja auch vor Vancouver Island ein paar zu sehen.
Ich bin stolz berichten zu können, dass mein Film mittlerweile so gut wie fertig ist. Fast 500 Einzelclips und jede Menge Bilder hab ich verwurstet. Der Film ist zu groß um ihn im Internet hochzuladen, deswegen gibts ihn dieses mal nur als Vorführung.
So viel erst mal für Zwischendurch!