Sonntag, 29. Juli 2012

2. Woche in Kanada

Gut 14 Tage bin ich jetzt in Kanada. Mir kommt es vor, als wäre ich schon viel länger hier. Die Tage gehen unglaublich schnell rum, was wohl auch dafür spricht, dass hier keine Langeweile aufkommt.

Seit gestern fahre ich jetzt mit einem elektrisierten Fahrrad durch die Pampa. Bis zum Center sind es gute 20 Minuten, es muss ziemlich witzig aussehen mich darauf zu sehen, weil das Fahrrad viel zu klein, bzw. ich zu groß dafür bin. Naja auf jeden Fall tut es das Dingen und ich bin einen Tacken mehr selbstständig. Morgens bin ich meistens schon 2 Stunden vor Öffnung des Centers dort, eine Stunde bevor die anderen kommen. John ist immer so gegen halb 8 hier losgefahren und da ich meistens bei ihm mitgefahren bin war das ganz praktisch. Ich konnte dann im Center noch ein paar Emails schreiben und in Ruhe ein paar Dinge erledigen. Das Internet dort funktionierte in den letzten Tagen ganz gut und ich konnte mich sogar über ein paar Podcasts über die Nachrichten aus Deutschland auf dem laufenden halten. Ein TV Gerät hab ich hier nicht, das ist eigentlich auch nicht weiter schlimm. Gestern hab ich mit Janet und John die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele gesehen. Das muss wohl erst mal reichen für die nächsten Tage :)

Neue Aufgaben

Auf der Arbeit habe ich jetzt nach einem Gespräch mit Nadi, der Center Managerin einen ungefähren Plan von dem, was ich jetzt die nächsten Wochen machen werde. Als erstes mal um die 40 Fledermauskästen bauen, die sollen dann später zum Teil auf dem Gelände aufgehängt und zum Teil verkauft werden. Dann werde ich aller Voraussicht nach einen Tag in der Woche für das Sunshine Coast Wildlife Project arbeiten und dort mit Schildkröten, Fledermäusen oder anderen Tierchen zu tun haben. Ein weiteres Großprojekt an dem ich beteiligt sein werde ist Tyner Biodiversity Park, ein verwahrlostes Grundstück bei Madeira Park soll in einen Park mit vielen einheimischen Pflanzen umgewandelt werden. D.h. sowohl theoretische Planung wie das ganze geschehen soll, als auch tatkräftig mit anpacken um Dornenbüsche und anderes lästiges Zeugs zu entfernen. Alles von Hand versteht sich, wir sind ja schließlich ein Öko-Verein :-) Von diesem Unternehmen bin ich wie man hört noch nicht ganz so angetan, vielleicht kann ich es aber gebrauchen um meinen Bericht hinterher darüber zu schreiben. Einen weiteren Tag in der Woche werde ich dann mit Umweltbildung im Center verbringen und da den Kids Club oder Workshops unterstützen. Bleibt noch ein weiter Tag um sich dann mit der Renaturierung der Feuchtgebiete zu beschäftigen. Klingt alles irgendwie nach viel Arbeit, dafür das ich hier nur ein bisschen Urlaub machen wollte :-) Ich habe schon gut Überstunden angehäuft in den 2 Wochen und hoffe die dann bald mal abfeiern zu können.

Kajak Tour

Dieses Wochenende hab ich zufälliger Weise frei, das muss nicht immer so sein, da das Center sieben Tage in der Woche auf hat und Schichten deswegen immer so nach Bedarf verteilt werden. Wie auch immer, hab dann heute mal ein bisschen Rasen gemäht hier und bin dann mit John auf eine kleine Kajak-Expedition gegangen! Die beiden Boote hatte er erst vor kurzen von einem Nachbarn abgekauft. Wir sind bei Flut losgepaddelt, die Wellen waren relativ niedrig, nichts desto trotz mussten wir am Anfang ganz schön gegen den Wind ankämpfen. Erst ging es die Küste entlang Richtung Nord-Osten. Immer entlang der felsigen Steilküste. Die Aussicht war wirklich beeindruckend! Plötzlich tauchten nicht weit von uns ein paar Seehunde auf und haben interessiert geguckt. Die waren aber leider auch genauso schnell wieder weg wie sie gekommen waren. Eigentlich wollten wir dann einmal quer durch die Passage nach Nelson Island rüber. Parallel zu uns fuhr aber ein langer Schleppverband mit Unmengen an Holzstämmen, an dem wir anfangs gar nicht vorbei gekommen sind. Diese Methode des Holztransportes ist hier weit verbreitet. Oft sieht man diese überdimensionalen Flöße auch auf Flüssen wie dem Thompson River oder dem Fraser River. In Vancouver gibt es dann eine große Bucht wo das Holz dann weiter verarbeitet wird. Später sind wir dann doch noch rüber nach Nelson Island und haben dort sogar einen Weißkopfseeadler gesehen. Ich hatte meine GoPro mit, kann aber noch nicht sagen ob ich ihn mit drauf hab :) Nach ein paar Stunden waren wir dann wieder zurück an unserem kleinen Hausstrand. Kajak fahren ist in Kanada immer ein Highlight, man sieht die Landschaft aus einer ganz anderen Perspektive und oft auch viele Tiere.


 

Mittwoch, 25. Juli 2012

Sunshine Coast News Report

Seit meinem letzten Blogeintrag sind gefühlt Wochen vergangen! Ich fange an Dinge zu vergessen die ich unbedingt aufschreiben wollte, deswegen wird es jetzt höchste Zeit dies zu tun!

Mittlerweile hab ich mich ganz gut eingelebt hier und die anfänglichen Probleme sind, naja sagen wir sie sind noch da, aber irgendwie auch wieder halb so wild. Ich lebe immer noch unmotorisiert und bin auf andere Leute angewiesen die mich hin und wieder mal mitnehmen. Das klappt aber insoweit ganz gut, als das John sowieso jeden Morgen am Center (Iris Griffith Centre, Besucherzentrum der Ruby Lake Lagoon Nature Reserve Society) vorbei fährt und mich dann dort absetzen kann. Das ist dann meistens so um 8 Uhr morgens, dann ist noch keiner da und ich kann in Ruhe mal ins Internet (wenns denn welches gibt!) oder sonstigen kram erledigen, die meisten anderen kommen erst so gegen 9 Uhr. Bisher ist der Deal das ich jetzt 8h /Tag für 4 Tage/ Woche arbeite. Das kann sich aber noch ändern. Meine freien Tage weiß ich meistens erst ne Woche vorher, es heißt also das ich nicht automatisch am Wochenende frei habe, sondern u.U. auch schon mal in der Woche. Abends fahre ich dann auch entweder mit John zurück oder eine/r der anderen Summer Students fährt mich eben zurück. Ab morgen habe ich evtl. endlich ein Fahrrad, oh Gott dann beginnt die Strampelei!

Am Sonntag war hier das Jahrestreffen aller Mitglieder der Lagoon Society, leider ist das total ins Wasser gefallen weil es den ganzen Tag geschüttet hat. Wir hatten trotzdem ein großes BBQ und es gab viel zu essen (yeah!). Nebenbei hab ich noch 2 Menschen vom Sunshine Coast Wildlife Project kennengelernt, die wohl demnächst ein paar Sachen zum Thema Schildkröten und Fledermäuse machen und ich hoffe mal in eins der Projekte mit reinzukommen.

Das mit dem Internet ist so eine andere Sache hier, abends kann ich hier ab und zu Johns Webstick an meinen Laptop anschließen, da er jedoch nur begrenzten Traffic hat, kann ich von hier aus keine Bilder etc. hochladen. Im Center ist das Internet meistens seeehr langsam, manchmal funktioniert es auch garnicht. Ich werde aber versuchen mal wieder ein paar Fotos ins Netz zu stellen. Ich filme auch weiterhin fleißig, davon habt ihr jetzt erstmal nicht so viel, aber ein Film wird kommen.

An das Abgeschieden sein hab ich mich auch ganz gut gewöhnt. Die anderen Summer Students wohnen in Garden Bay, das ist so 30km entfernt. Deswegen ist das mit Abends mal aufn Bierchen treffen eher schwierig. Ich bin häufig bei Janet und John und abends quatschen wir und trinken ein (von John selbstgebrautes!) Bier oder Wein. Man erfährt so eine ganze Menge über die Gegend hier, über das was die Menschen hier so bewegt und auch Alltägliches. John arbeitet für BC Hydro, den lokalen Strom- und Wasserversorger, er kümmert sich dort um Telekommunikationseinrichtungen und irgendetwas mit den Stromleitungen. Auf jeden Fall ist er viel unterwegs hier, an manche Orte gelangt man nur mit dem Hubschrauber, er hat mir da ein paar interessante Fotos gezeigt. In nächster Zeit geht's auch mal rüber nach Nelson Island. Der Bootstrip darüber muss unglaublich schön sein und evtl. besteht die Möglichkeit das ich da mal mit rüber kann. Das wäre natürlich noch besser :)

Janet arbeitet nicht mehr, ich hab auch noch nicht rausgefunden was sie mal gemacht hat. Dafür weiß ich das sie halb Finnin ist. Die beiden sind wirklich total nett und freundlich. Gestern durfte ich mal für einen Tag das Auto haben und hab n kleinen Ausflug gemacht. Mit John hab ich schon einiges im Garten gemacht, er bastelt nebenbei auch noch an einem alten VW Bulli rum, den er wieder fertig machen will.

Wildlife

Mit das großartigste an Kanada ist die unglaubliche Vielfalt an Tieren die man hier ganz beiläufig zu Gesicht bekommt. Vor meiner Hütte grasen öfters Viecher, die hier Deer genannt werden. Die sind etwas größer und fetter als Rehe, weiß gar nicht wie die bei uns heißen. Außerdem gibt es hier ziemlich viele Kolibris (Fotos!)! Das hat mich am Anfang echt gewundert. Aber in 2 Wochen sollen die wohl die Abreise Richtung Mexiko antreten. Auf der Straße bin ich gestern einem Truthahngeier (Turkey Vulture) begegnet, mit 2m Spannweite ziemlich groß das Tier! Achjaaa einen Weißkopfseeadler gabs auch schon! Leider ziemlich weit weg, aber ich hoffe weitere zu sehen. Vor 2 Tagen waren wir an einem See, dem North Lake schwimmen, da gabs unter anderem einen Bieber und Schildkröten zu sehen. Das Wasser ist einigermaßen warm gewesen und nach dem Schwimmen haben wir noch aufm Steg in der Abendsonne gesessen (auch wieder Fotos!).

Schlangen (Gardener Snake oder so? Auf jeden Fall harmlos) und Echsen (Alligator Lizard) gibts hier ebenfalls recht häufig. Das einzige was jetzt noch fehlt ist der Schwarzbär der hier ab und zu rumläuft und natürlich Orcas! Die sind in der Bucht hier vor Earls Cove aber eher selten, da die Bucht weit ins Innenland reicht.

Ja, was gibt es sonst noch neues? Das Wetter? Das ist hier relativ unspektakulär, meistens ist es bewölkt, hin und wieder regnet es oder es scheint die Sonne. Meistens ist es aber mit 20-24°C recht warm dabei (Freut die Mücken! Wenn diese Viecher nicht wären, könnte man hier abends noch echt schön lange aufm Deck sitzen, so läuft man aber leider Gefahr von denen aufgefressen zu werden). Wahrscheinlich habe ich jetzt noch ein paar Sachen vergessen, die ich eigentlich schreiben wollte. Die kommen dann einfach in den nächsten Eintrag.

Jetzt grade ist es recht schön sonnig und ich sitze auf Janet & Johns Terasse und genieße den Ausblick aufs Meer. Von hier aus Viele Grüße!



27.07.2012 - Nachtrag: Lange hats ja nicht gedauert! Gestern Abend hab ich dann auch endlich den, oder besser gesagt einen der Schwarzbären gesehen, die sich um Earls Cove aufhalten. Alles mit ausreichender Entfernung vom Balkon aus. Dieser Bär war noch relativ jung, aber trotzdem schon ziemlich groß! Er ist in einigen Metern Entfernung vorbei gelaufen und kam dann eine halbe Stunde später nochmal zurück. Kamera hatte ich natürlich genau dann nicht dabei. Aber vielleicht bekomme ich ja nochmal einen vor die Linse.

Im Album Earls Cove sind dafür viele neue Fotos zu sehen! 

Mittwoch, 18. Juli 2012

Ankunft in Earls Cove

Achtung! Adressänderung! Bitte dringend beachten, dass sich meine Haus Nr. geändert hat. Dies bitte bei Briefen etc. berücksichtigen! Die richtige Adresse steht rechts.

Ankunft in Vancouver

Die Ankunft in Vancouver verlief insgesamt sehr entspannt. Ich war so froh endlich aus dem Flieger raus zu kommen, das hatte gleich mehrere Gründe: Zum einen saß ich ganz außen am Fenster, hatte daher das Glück viel sehen zu können, leider saß auf dem Sitz zum Gang irgend so ein Pakistani der die ganze Zeit nur geschlafen hat und in der Mitte ein griesgrämiger älterer Mann, ich schätze mal Arzt oder Professor, da er die ganze Zeit nur Neurobiologietexte und Forschungsberichte über Alzheimer gelesen hat. Auf jeden Fall war dieser weder gesprächig noch sonst irgendwie von witzigem Antlitz. Auf Grund dieser 2 Persönlichkeiten habe ich es vorgezogen während des ganzen Fluges nicht aufzustehen. Des weiteren bin ich glaub ich selten mit so einem versifften Flieger geflogen. Die 747 kann noch nicht soo alt gewesen sein, trotzdem war an der Lüftung schon Zentimeterdick Staub oder Schimmel, die Fenster von irgendwelchen Vornasen fettig und das weiße Plastik eher Fingerpatschig-braun. Legga!

Daher also große Freude in Vancouver wieder festen Boden unter den Füßen gehabt zu haben. Der Grenzofficer wollte dieses mal ziemlich genau wissen was ich denn in Kanada vorhabe, ob ich genug Geld und ein Rückflugticket habe. Scheinbar war ich überzeugend genug auf jeden Fall hab ich dann so 'n Stempel bekommen auf dem eigentlich nix draufsteht. Ich gehe mal davon aus das das reicht für die nächsten Monate.

Mit neu gebautem Sky Train ging es dann in die Stadt. Das ist sowas wie eine Magnet-Staßen-U-Bahn, nur ohne Magnet und das sie nicht auf Straßen fährt. Ok vielleicht mehr eine S-Bahn, oder S-U-Bahn. Wie auch immer, die letzten Meter die mitm Bus ging es zum Hostel. Wie Videotechnisch am gleichen Abend noch verkündet war mir das Bett bereits gut bekannt, zu meiner größten Freude war dieses mal kein spielsüchtiger Obdachloser im Bett unter mir (wer die Story nicht kennt, bitte mal nach dem 1. Eintrag aus Kanada im Februar 2008 gucken!)

Am Sonntag war ich Jetlag sei Dank schon um 05:30 Uhr wach. Das Wetter war ziemlich bescheiden. Es hat den ganzen Tag geregnet und gewittert. Später wurde es dann ein bisschen besser. Ich bin dann zum Granville Island Public Market gegangen, später dann noch durch Downtown und hab den Tag dann so ganz gut rumbekommen. Später war noch eine ganze Menge los in der Stadt, mit Musik und Straßenkünstlern, das machen die wohl im Sommer jedes Wochenende. Ich hab viel gefilmt und auch wieder ein kleines Interview mit mir selbst gemacht. Warum ihr das an dieser Stelle nicht sehen könnt, dazu später mehr.

Soo am Montag sollte es dann weitergehen, bzw. ging es auch. Der Plan sah ja vor erst eine kanadische SIM-Karte zu besorgen und sich dann langsam auf den Weg zur Fähre zu machen. Das mit der SIM Karte ist ziemlich schnell gestorben. Kanada ist was Handytarife angeht echt noch Entwicklungsland! Die Kosten für Prepaid sind exorbitant unverschämt hoch. Erstmal 60€ Aktivierungsgebühr, dann 0,36€ Minutenpreis (für innerhalb Kanadas!) von SMS und Ausland ganz zu schweigen. Ausserdem mindstens 18€ Umsatz im Monat. Nein danke! Dafür kann ich ja besser stundenlang über das deutsche Handy nach Hause telefonieren.

Mit der Fähre ging es dann hoch nach Langdale. Ich hab wieder viel gefilmt, warum ihr das an dieser Stelle nicht sehen könnt, dazu später mehr. Janet hat mich dann abgeholt, das hat alles gut geklappt. Janet ist schon mehr eine Person von witzigem Antlitz. Sie ist ziemlich klein und ääh, kompakt. Dafür redet sie sehr gerne und ist insgesamt eine Mischung aus ziemlich gemütlich und etwas hibbelig. Nach diversen Einkaufsstops auf dem Weg nach Earls Cove habe ich dann hier auch John kennengelernt. John ist ein bisschen das Gegenteil von Janet, ok groß ist er auch nicht, aber dafür redet er wesentlich weniger. Trotzdem ein ganz netter Kerl soweit ich das einschätzen kann. Beide kümmern sich wirklich sehr nett um mich und fragen immer ob alles ok ist und sind insgesamt sehr zuvorkommend.

Ankommen in Earls Cove

Earls Cove ist glaube ich das Bielefeld Kanadas. Es gibt diesen Ort nämlich gar nicht. Nicht das es einfach nur ein kleiner Ort ist, nein es ist kein Ort. Warum hat man 10 Häusern einen Namen gegeben? Warum steht auf Karten überhaupt irgendwas, und warum hat man es nicht einfach weggelassen? Dieser nicht-Ort ist eine Ansammlung von überwiegend Wochenendhäusern, mitten im Nichts. Ich glaube noch hinter dem Nichts. Man wundert sich von Zeit zu Zeit das noch Autos vorbei kommen die mit der Fähre noch weiter ins Nichts wollen. Dies ist glaube ich das Ende der Zivilisation und damit kommen wir nun zum nicht so schönen Teil der Geschichte.

Man mag von hin und wieder das Gefühl haben, mal raus zu müssen. Irgendwo, ins Nichts. Ich hatte dieses Bedürfnis nicht so dringend, trotzdem habe ich jetzt das zweifelhafte Vergnügen. Es ist sowas von abgeschieden Einsam hier. Das für mich zur Zeit unangenehmste ist aber das Abgehängt sein von der restlichen Welt da draußen. Ich hab Isa versprochen, mich wo es geht mich wirklich häufig zu melden, und auch mal zu skypen und notfalls halt SMSen zu verschicken. Nichts von alledem wird wahrscheinlich möglich sein. Es gibt hier oben kein Handy Netz. Weder hier, noch bei meiner Arbeit. Dass es so krass ist habe ich nicht erwartet, ich dachte wenigstens am Center (Iris Griffith Nature Reserve bla bla bla Center, meine Arbeitsstätte) gibt es Handynetz und auch Internet. Da sind wir beim nächsten Problem: Meine einzige potenzielle Internetquelle ist zur Zeit der Webstick von Johns Arbeits-Laptop. John ist natürlich nur abends hier und ich will ihm nicht aufn Sack gehen wegen Internet, außerdem ist der Zugang so langsam, das außer ein bisschen Text in den Blog zu laden, ich wohl weder Fotos, geschweige denn Videos hochladen kann. Das grenzt meine World Wide Web Möglichkeiten extrem ein. Am Center gibt es wohl theoretisch auch einen Internet Zugang, der ist aber noch langsamer, so dass sich die meisten Websites gar nicht erst öffnen lassen.

Kurz um ich sitze total auf dem Trockenen hier und das macht mich ein bissen traurig, grade wegen ein paar Menschen mit denen ein regelmäßiger Austausch wirklich ganz schön wäre. Ich hoffe das sich ein paar Dinge noch irgendwie regeln lassen aber im Moment weiß ich noch nicht wie das diesbezüglich weiter geht.

Meine Hütte ist alles in allem wirklich ganz nett, relativ groß und auch einigermaßen gut ausgestattet. Ich komme mir ein bisschen vor wie in den 70ern, weil hier alles mit Liebe zum Detail originalgetreu wieder hergerichtet ist... Moment, vielleicht hat sich hier auch einfach seit 40 Jahren nichts verändert? Ich lade irgendwann mal ein Foto vom dem Herd hier hoch, da dürften bei der Generation 50+ Kindheitserinnerungen wach werden! Das Dingen muss so unglaublich viel Strom fressen! Die Armaturen sehen aus wie in nem Oldtimer und bei der Bedienung hat man das Gefühl eine wirklich große Maschine zu bedienen! Ihr müsstet das mal alles sehen hier, man weiß nicht ob man erschrocken wie alt, begeistert weil so alt oder verblüfft das man sowas heutzutage noch findet sein soll.

Das Center

Ich hatte heute meinen ersten Arbeitstag. Janet hat mich hingefahren, John später wieder abgeholt. Das Center ist so ca. 6km von hier entfernt. Die Straßen gehen rauf und runter, sind sehr kurvig und warum ich das erzähle, dazu später wieder mehr. Hab ich bereits erwähnt, das dieser Blogeintrag etwas länger wird? Keine Sorge, dafür wird es auch nicht ganz so viele Einträge geben. Im Center warteten schon die 4 anderen Summer Students, 3 Mädels und ein Kerl, alle so um die 20-22 Jahre schätze ich mal. Die 4 sind alle ganz nett, soweit man das nach einem Tag schon sagen kann.

Das Center liegt etwas abseits entlang des Highways, an einem der vielen Seen und ist ungefähr so groß wie ein Einfamilienhaus. Was ich die nächsten Monate dort tun werde, das ist mir heute noch absolut nicht klar geworden. Na klar es war der erste Tag, aber nicht nur ich, sondern auch die anderen haben regelrecht nach Arbeit oder einer Beschäftigung gesucht. Wir haben dann erst ein bisschen Pflanzen zurück geschnitten, dann ein paar Aquarien sauber gemacht, die Fische und Lurche gefüttert, die Kinderbespaßung für morgen geplant und sind zum Schluss noch ne Runde mit nem Kanu über den Sumpf da gepaddelt. Hoffentlich finde ich Gefallen an diesen Sachen, denn das wird mich die nächsten Monate beschäftigen.

Noch hab ich ein bisschen die Hoffnung, dass ich all das nur aufgrund meiner spießigen deutschen Einstellung so kritisch sehe und mich erst mal wieder an den kanadischen layed-back-Lifestyle gewöhnen muss. Das ging vor ein paar Jahren auch nicht von jetzt auf gleich, dafür hat man dann später in Deutschland auch ne gewisse Zeitlang auch große Vorteile. Es ist definitiv immer noch ein bisschen ein Kulturschock, auch wenn ich wusste was mich erwartet und diesbezüglich auch nichts anderes eingetroffen ist.

Mit ein paar Sachen habe ich aktuell noch zu kämpfen, das sind zum einen wie schon erwähnt die Abgeschiedenheit und die Nichtmöglichkeit sich mit vertrauten Menschen zu unterhalten. Dann ist das Leben hier einfach wahnsinnig teuer, ich hab für 2 Einkaufstüten mit Grundnahrungsmitteln fast 80€ ausgegeben (nur mal als Beispiel: Nutella 7,50€, 150g Käse 5€) und von dem allen werd ich nicht länger als ein paar Tage satt. Dann ist Transport aktuell noch ein schwieriges Thema. Hier oben fahren keine Busse. Bis zum Supermarkt sind es 25km. Ich weiß noch nicht wie ich demnächst zum Center und zurück kommen soll, da mich Janet und John natürlich nicht immer fahren können. Evtl. kann ich vielleicht ein Fahrrad bekommen, das ist jedoch aufgrund der Entfernung und der Straßen (rauf, runter, noch steiler rauf, wieder runter) schon fast an der Grenze des Machbaren. Ich hoffe diese Sachen werden sich in den nächsten Tagen und Wochen irgendwie ergeben und dann wird alles halb so wild. Ich schwanke zur Zeit immer zwischen Euphorie und vorsichtiger Zurückhaltung wie man vielleicht merkt.

Achso, eine ganz wichtige Sache noch. Meine Adresse ist 5462 Jervis Inlet Road! Nicht 5466, das steht zwar auf der Hütte hier drauf, allerdings gibt es hier keinen Postkasten. Als wichtig, bitte wenn, dann an die 5462 schicken.

Ok, ich weiß noch nicht wann ich das nächste mal was von mir hören lassen kann. Deswegen bitte nicht wundern, wenn es mal etwas länger dauert. SMSen kann ich vorraussichtlich auch erst demnächst wieder beantworten.

Freitag, 13. Juli 2012

Prolog

Noch 15 Stunden und es geht los. Nach langer Vorbereitung und einer zuletzt stressigen Uni-Zeit jetzt endlich Kanada. Dieser 14.07. kam zum Schluss ziemlich schnell und ähnlich wie vor vier Jahren kommt die Nervosität erst wieder ganz zum Schluss. So ungefähr beim Tasche packen. Eine Mischung aus Anspannung, Ungeduld, Aufregung, Neugier, geladen sein, entspannt sein, Vorfreude und ein bisschen auch eine angenehme Verunsicherung. 

Rückblickend auf die letzten Tage und Wochen ist vieles mit Sicherheit zu kurz gekommen. Besuche in Essen, Freunde im Ruhrgebiet und in Osnabrück, sogar der Kletterwald. Klausuren, Projekte, Modelle und Prüfungen haben ihren Teil dazu beigetragen und ich bin wirklich froh alle Arbeiten erledigt zu haben. Ein bisschen Wehmut ist jetzt trotzdem auch dabei, grade auch beim Kletterwald wo ich viel und oft gearbeitet und nicht zuletzt auch viel Freizeit verbracht habe. In der laufenden Saison wird sich mit Sicherheit noch viel tun, wie immer werden neue Mitarbeiter kommen und es werden Leute gehen. Ich hoffe aber, die alte Crew auch in der nächsten Saison wieder dabei zu haben (und wer wegzieht, darf uns dann gefälligst regelmäßig besuchen kommen). 

Die Erinnerung an Kanada war lange ein abgeschlossenes Kapitel. Ein Anfang, ein Ende und vieles was blieb. Jetzt ist es, als würde ich dieses Buch wieder aufmachen, da weiter schreiben wo der letzte Satz schon ein paar Jahre her ist. Dieser Aufenthalt wird mit Sicherheit anders, vieles dürfte schon bekannt sein und auch das Abenteuer, ein Jahr ins völlig ungewisse zu gehen, sieht dieses mal etwas anders aus. "Kanada light"? Wohl eher nicht, auch dieses mal gibt es viel Neues, und spätestens bei dem geplanten Roadtrip im September werd ich wieder viel rumkommen. 

 Die letzten Sachen sind gepackt, morgen Vormittag gehts dann zum Flughafen nach Düsseldorf. Ich hoffe euch von Earls Cove oder Madeira Park aus auf dem laufenden zu halten und freue mich natürlich ohne Frage auch was von euch zu hören.